Christa Castringius, Dr. Rudolf und Christa Castringius Kinder- und Jugend-Stiftung München

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Christa und Dr. Rudolf Castringius, Gründer und Eigentümer der Urologischen Klinik München-Planegg, wollten schon lange eine Stiftung für Kinder ins Leben rufen. Nachdem ihr Mann tödlich verunglückte übernahm die Stifterin selbst die Gründung der Dr. Rudolf und Christa Castringius Kinder- und Jugend-Stiftung München. Mit ihrer Stiftung möchte die Ärztin und vierfache Mutter vor allem helfen, Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen und armen Verhältnissen in München und Umgebung gute Bildungschancen, auch auf musikalischem Gebiet zu ermöglichen.

Frau Castringius, warum engagieren Sie sich als Stifterin?
„Die Idee einer eigenen Stiftung bewegte meinen Mann und mich schon seit geraumer Zeit. Wir hatten beide den Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Unsere eigenen Kinder sind gesund und gut versorgt, insofern kamen wir sehr schnell auf das Stiften. Es gab bereits einen konkreten Anwaltstermin, als mein Mann leider 2007 tödlich verunglückte. Von da an lag es an mir alleine, die Idee der Stiftung umzusetzen.“

Was wollen Sie mit Ihrer Stiftung erreichen?
Auf der ganzen Welt gibt es unendlich viel Armut. Ich sehe aber insbesondere auch in Deutschland dringende Ansatzpunkte zu helfen. Migrantenkinder kommen oft traumatisiert und mittellos in Deutschland an. Aber auch in vielen deutschen Familien ist die Armut sehr groß. Sie können sich mit Hartz IV kaum über Wasser halten, wenn sie diese Unterstützung vom Staat überhaupt bekommen. Kinder geraten dadurch häufig in traumatische Notsituationen. Es ist mein persönliches Anliegen, etwas von der Armut in Deutschland zu beseitigen, den Kindern Bildung zukommen lassen und ihnen somit bessere Startmöglichkeiten für ein eigenständiges Leben zu geben.

Was hat Sie dazu bewogen, die Tabaluga Kinderstiftung zu unterstützen?
Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass die Tabaluga Kinderstiftung sehr genau zu unseren Vorstellungen passt. Geschädigte, traumatisierte, „aus dem Nest gefallene“ Kinder finden dort ein sicheres und geborgenes Zuhause. Ich konnte über die Jahre beobachten, dass die Tabaluga Kinderstiftung kontinuierlich neue Projekte schafft, die Einrichtung sich weiterentwickelt und das Geld unserer Stiftung dort effektiv und professionell für sozial benachteiligte Kinder in Not eingesetzt werden kann.

Haben Sie bei Tabaluga einen persönlichen Favoriten, ein Projekt oder eine Therapieform?
Mir sagt vor allem das Grundprinzip der Tabaluga Kinderstiftung zu:
Die Kinder kommen oft sehr jung mit unfassbaren Schicksalen in die Einrichtung, werden dort aufgefangen und durch ihre Schulzeit begleitet. Aber auch langfristig, nach Abschluss der weiterführenden Schule werden die Jugendlichen weiter betreut und schrittweise in die Selbstständigkeit entlassen. Innerhalb des therapeutischen Angebotes liegt mir persönlich besonders die Musiktherapie am Herzen. Ich halte es für sehr wertvoll, Kinder durch das Spielen von Instrumenten oder Chorgesang zu selbstbewussten Menschen zu erziehen. Auch der Sport stellt für mich einen wichtigen Bereich dar. Er kann sehr wirkungsvoll Kräfte binden und in Bahnen lenken. Tabaluga ermöglicht diesbezüglich den Kindern als besonderes Highlight die Reittherapie. Nicht zuletzt sind die Tabaluga Projekte in eine wunderschöne Landschaft eingebettet, die sicher auch einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Kinder hat. Ich hoffe, dass sie es später im Leben einmal genauso gut haben werden wie dort. Aber das bleibt natürlich immer fraglich und offen.

Wie viel Geld setzen Sie ein?
Wir haben seit Bestehen der Stiftung etwas über eine Millionen Euro an Projekte vergeben. Viele davon sind Einzelfallhilfen. Den Schwerpunkt setzen wir bei Schul- und Bildungsprojekten. Frank Enzmann, der Vorstand unserer Stiftung, ist mir dabei eine unentbehrliche Hilfe und wir diskutieren und beschließen Förderpläne und –aktivitäten miteinander.

Wie viel Zeit setzen Sie ein?
Mein zeitliches Engagement für unsere Stiftung gestaltet sich sehr unterschiedlich. In der Anfangsphase war ich teilweise 20 bis 30 Stunden in der Woche beschäftigt. Das hat sich natürlich verringert, weil man mit der Zeit die Abläufe besser kennt, die Vernetzung mit den Partnern intensiver ist und auch unsere stiftungseigenen Strukturen besser und effektiver funktionieren.

Wie reagiert Ihr Umfeld?
Meine Kinder stehen dem Engagement der Stiftung sehr positiv gegenüber. Im weiteren Umfeld halte ich mich persönlich mit meiner Stiftung im Hintergrund und betreibe keine aktive Werbung. Die Stiftung ist eher mein sehr persönliches Anliegen.

Hatten Sie besondere Erlebnisse oder Wendepunkte in Ihrem Leben, die Sie zum Stiften bewogen haben?
Wir haben glücklicherweise keinen Schicksalsschlag erfahren müssen, der uns zur Gründung einer eigenen Stiftung bewegt hätte. Hinter unserem Engagement stand kontinuierlich die Einstellung, dass wir dort helfen wollen, wo Menschen in Not sind. Diesen Wunsch  können wir mit der eigenen Stiftung ideal realisieren.

Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, die Vernetzung mit anderen Partnern zu verbessern. Ich wünsche mir, dass noch mehr unserer Initiativen mit anderen Stiftungen gekoppelt werden, so dass auch größere Projekte durch Mitwirkung der Dr. Rudolf und Christa Castringius Kinder- und Jugend-Stiftung München umgesetzt werden können.